Digital Summit für Lehrkräfte

Am 01.03.2018 von 12:00-19:00 Uhr in der Speicherstadt Hamburg
Organisiert von AppCamps in Kooperation mit der Körber Stiftung

Letzten Donnerstag war ich beim Digital Summit für Lehrkräfte, zu der AppCamps in Kooperation mit der Körber Stiftung eingeladen haben. Zielsetzung war zum Thema Digitalisierung den Austausch zwischen Wirtschaft und Schule zu fördern. Für meine persönliche Reflektion möchte ich hier einige Erinnerungen, Eindrücke und Gedanken festhalten. Dies ist kein kompletter Bericht – da lohnt sich eher Twitter unter #digiSummit – , sondern steht dafür, was mich im währenddessen und im Nachhinein beschäftigt hat.

Zuerst muss man anerkennen, dass die Veranstaltung hervorragend organisiert war. Die Anmeldung lief unkompliziert und es kam auch als nette Serviceleistung einige Tage vorher eine Erinnerung mit Link zum Programm und Hinweisen zur Anfahrt und Parkmöglichkeiten. Auch vor Ort lief alles reibungslos: schneller Empfang, hervorragend organisatorische Abwicklung der Besichtigungen – besonders charmant hier die farblich markierten Namensschilder, die für eine klare Gruppeneinteilung sorgten, jedoch bis zum letzten Moment offen ließen, wohin der Besuch geht. Auch technisch war alles augenscheinlich gut organisiert. Dazu leckeres und hochwertiges CDigital Summit - Namensschilderatering – die Karotten-Ingwersuppe war wirklich ausgezeichnet und werde ich vielleicht mal versuchen nachzukochen. Servicekräfte eifrig, aber unaufdringlich. Höchstens die Warteschlange bei der Garderobe kurzzeitig etwas lang – das ist aber jammern auf hohem Niveau. Als ehemalige Veranstaltungsorganisatorin, fallen mir solche Details wohl mehr auf als anderen und ich weiß die Vorbereitung dahinter ehrlich zu schätzen.

Mir werden besonders die KuK in Erinnerung bleiben, mit denen ich mich dort unterhalten habe. Auch wenn wohl ein leichter Überhang an Informatikern da war – kann aber auch meine selektive Wahrnehmung sein -, gab es viele Fächerkombinationen unterschiedlicher Schulen. Nur Grundschulllehrkräfte sind mir keine über den Weg gelaufen – ist aber vielleicht auch nicht die Zielgruppe dieser Veranstaltung gewesen. Während der Busfahrt gab es netten Smalltalk. Hervorheben möchte ich das nette Gespräch mit @medienrocker, der mir Einblicke in seine Sketchnotes-Erfahrungen gegeben hat und der von mir eine kurze Twitter-Einweisung erhalten hat. Ich liebe solche Gespräche, wo man sich gegenseitig bereichern kann, es einfach interessant ist und gleichzeitig locker zugeht.

Die Veranstaltungspunkte fand ich gut – mit Abstrichen. Wie fasse ich dazu meine Gedanken am besten zusammen… Die Veranstaltung war definitiv interessant und ich habe mich für mich was daraus mitgenommen. Der Einführungsvortrag bot Inspiration mit außergewöhnlichen Projekten aus dem Ausland, welche sich aber kaum in meinen Unterrichtsalltag übertragen lassen. Das Gespräch mit @MrWissen2go war kurzweilig, er ist wirklich bescheiden und sympathisch rüber gekommen. Es war interessant, einen Einblick hinter die Kulissen des erfolgreichen YouTube-Kanals zu erhalten – zumal er selbst ja gar kein Lehrer, sondern Journalist ist. Und manchmal reicht wirklich eine kurze Nachfrage, um Material lizenzfrei nutzen zu dürfen, damit man sich als Lehrkraft nicht in der rechtlichen Grauzone bewegt.

Leider bin ich aber nicht ganz der Ansicht, dass die Veranstaltung ihrem Motto „Was können Lehrkräfte und die Digitalbranche voneinander lernen?“ gerecht geworden ist – es war mir zu wenig „vonanander“. @bildungsradar hat es in seinem Tweet deutlich angesprochen:

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Ich würde diesem Tweet in abgeschwächter Form zustimmen. Es gab definitiv mehr Input an uns als anders rum. Es reihte sich Vortrag an Präsentation an Paneldiskussion. Aber es war NICHT mein Eindruck, dass die Erwartung vermittelt wurde, nur die LuL müssten sich anpassen. Ich hätte mir weniger Präsentation und mehr Diskussion gewünscht. Einen echten DIALOG mit den Wirtschaftsvertretern.

Ein großer Programmpunkt des Tages waren die Firmenbesichtigungen. In dem Artikel der WELT wurde als Leitfrage der zitiert „Wie arbeiten diese Firmen – und wie kann man Schüler im Unterricht besser auf die Anforderungen vorbereiten?“ Die erste Hälfte wurde von den Firmenvertretern ausführlich und wirklich offen und freundlich beantwortet. Ich jedenfalls fühlte mich willkommen. Aber die zweite Hälfte der Frage kam auch hier zu kurz. Leider war der Vortrag sehr techniklastig, so dass ich phasenweise nicht mehr folgen konnte.  Aber auf die Frage, was von den Schulen erwartet würde, wie wir besser vorbereiten könnten – darauf wurde nicht eingegangen.

Daher fand ich an der Firmenpräsentation besonders die letzten 10 Minuten interessant, als es in der Fragerunde gerade darum ging, welche IT-Kompetenzen denn die Schule vermitteln sollte in den Augen der IT-Abteilung. Hervorgehoben wurden da – außer Word – eben keine konkrete Tools oder bestimmtes Wissen, sondern die Haltung und Kompetenzen! Es wurde angesprochen, dass fast alle SuS mit digitaler Welt umgehen können – aber eben nur auf eine sehr eingeschränkte Art und Weise. Sie sollten bereits in der Schule einen professionellen Umgang damit lernen. Beispielsweise per WhatsApp eben nicht nur chatten, sondern es konstruktiv für Terminabsprachen oder Planungen nutzen. Es wurden noch mehr Beispiele genannt, die sich meines Erachtens unter „Kollaborativem Arbeiten“ zusammenfassen lassen. Gemeinsam planen und arbeiten – und es fängt eben schon im Kleinen mit den Terminabsprachen an.

Auch die Haltung wurde betont – überspitzt formuliert war die Botschaft, dass man nichts wissen bräuchte, solange nur das Interesse da wäre. Natürlich ist es gut, wenn man Wissen und Fertigkeiten mitbringt. Da jedoch die (Wissens)Welt inzwischen so komplex und schnelllebig ist, sind die Fähigkeiten zusammen zu arbeiten und sich Neues aneignen zu können viel wichtiger. Und dafür sind eben Interesse und Motivation entscheidend. Sicherlich ist das für mich keine grundlegend neue Erkenntnis, aber ich fand es bemerkenswert, dass es solch eine klare Aussage von Unternehmensseite war. Und es hat mich schon erstaunt, dass das konkretes Wissen zwar geschätzt wird, aber eben deutlich weniger gilt als ehrliches Interesse. Des Weiteren nehme ich für mich noch als Erkenntnis mit, dass der professionelle Umgang mit IT und digitalen Medien wichtiger ist als das einzelne, konkrete Tool.
–> Es ist weniger wichtig, WAS du benutzt, als dass du souverän damit umgehst!

Die Haltung war auch vorherrschendes Thema in der abschließenden Paneldiskussion. Gerade weil die Digitalisierung immer schneller voranschreitet und auch Themen wie VR und AI auf uns zukommen, ist und bleibt der Mensch selbst wichtig.

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Es war ein sehr interessantes Gespräch mit klugen Einwürfen, Gedanken, Fragestellungen. Die drei Gäste Petra Scharner-Wolff vom Otto Konzernvorstand, Prof. Dr. Christof Igel vom DFKI – Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelligenz und Ali Mahlodji von Whachado brachten drei sehr unterschiedliche Personen und Perspektiven zusammen. Die Sketchnote von @medienrocker gibt einen hervorragenden Überblick über Kernaussagen:

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Die Runde wirkte harmonisch, was aber meines Erachtens auch daran lag, dass es auf mich wie mehrere Einzelgespräche mit dem Moderator wirkte. Ich hätte mir auch hier mehr DISKUSSION gewünscht – miteinander und uns LuL im Plenum.

Schlussendlich hat mich auch besonders gefreut, zwei Bekannte wieder zu treffen und einige Twitter-Kontakte persönlich zu treffen. Es ist für mich nachwievor etwas Besonderes, Leute zu treffen, von denen ich schon viel gelesen habe, und mich dann so locker und lustig und auf Augenhöhe mit ihnen unterhalten zu können. Einen herzlichen Gruß an dieser Stelle an @janhittig, @ralfa, @foorbie, @PhilKnodel und @vedducation, aber auch ein Hallo an @tuktukonly10THB und @alextee. Ich habe es genossen, am Ende noch mit euch zusammen zu stehen und zu schnacken! Ich freue mich schon darauf, nächstes Wochenende einige von euch beim eduCampX wieder zu treffen!

Manchmal komme ich mir in solchen Situationen wie eine Hochstaplerin vor. Alle um mich rum sind schon jahrelang Lehrkräfte, teilweise Studienräte oder mit besonderen Aufgabengebieten betraut, bloggen, sind Sketchnote-Lehrer, Datenschutz-Dozenten oder sonst noch was. Tja, und ich bin offiziell noch nicht mal ausgebildete Lehrerin, sondern Master-Studentin. Steht es mir zu, mich auf auf diesen Veranstaltungen zu tollen? Auf Augenhöhe mitzudiskutieren? Sollte ich nicht lieber bescheiden zuhause am Schreibtisch sitzen und endlich meinen Abschluss machen? Andererseits, warum sollte ich solche Möglichkeiten verstreichen lassen, wenn ich dabei so viel lerne und einfach tolle Menschen kennen lerne, ein Netzwerk zu tollen KuK aufbaue? Gerade diese Menschen, diese Gespräche, diese Eindrücke, was es alles da draußen gibt, was möglich ist in der Lehre – das gibt mir so viel Motivation! Das erinnert mich daran, warum ich mich mit 30 Jahren noch für ein Hochschulstudium entschieden habe. Ich blühe regelrecht auf in diesen Gesprächen, in solchen Gesprächsrunden. Und natürlich haben die anderen mehr Unterrichtserfahrung, dafür bringe ich meine Erfahrungen mit und habe inzwischen im Thema digitale Medien einiges an Wissen angesammelt. Außerdem habe ich den Eindruck, dass gerade in diesen Kreisen das Einbringen eigener Gedanken, kritisches Hinterfragen und ehrliches Interesse kombiniert mit Lernmotivation ehrlich geschätzt wird. Auch wenn ich noch nicht das Zertifikat zuhause an der Wand hängen habe – ich als gesamter Mensch mit der Kombination an Wissen, Erfahrungen und Gedanken muss mich nicht verstecken und darf selbstbewusst mitdiskutieren. Wir können uns alle gegenseitig bereichern.

Außerdem ist es ein wirksames Mittel, nicht am Schulalltag und den Gegebenheiten des Systems Schule zu resignieren. Ich meine damit noch nicht mal meine eigene Schule – vieles dort läuft super, anderes auch nicht. Ich denke, alle Schulen haben ihre Stärken und Schwächen als Einsatzort. Viele Punkte, mit denen ich hadere, haben eher mit unserem Schulsystem an sich zu tun. (Was wäre ich froh, wenn ich z.B. keine Klassenarbeiten schreiben müsste, sondern einfach rein nach Interesse und Thema Unterricht gestalten könnte!) Meine Befürchtung ist, dass man sich im Laufe der Zeit daran gewöhnt, einen Tunnelblick entwickelt oder nur noch die möglichst effiziente Planung der nächsten Stunden im Kopf hat. Diese Veranstaltungen, der Input aus den Vorträge und die Gespräche halten den Geist offen und rege, erhalten mir den Blick über den Tellerrand. Natürlich muss trotzdem noch die nächste Stunde geplant werden und ich werde immer noch kein WLan im Klassenraum haben.  Aber ich vergesse nicht, dass Lehre so wundervoll vielseitig ist und eben auch ganz anders ablaufen kann! Wenn jeder sich nur ein wenig dieser Offenheit, Neugierde und geistigen Beweglichkeit erhält, kann man das Beste aus den vorhandenen Möglichkeiten machen und die Zukunft aktiv mitgestalten.

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